01.02.2026

Dieses Jahr gibt es eine neue Abiturlektüre für die Deutsch-Leistungskurse. Jenny Erpenbecks Roman „Heimsuchung“ wird vom Guardian auf der Liste der „100 Best Books of the 21st Century“ geführt und fasziniert die Leser.
Um diesen doch sehr komplexen und vielschichtigen Roman besser zu verstehen, ging es am 26.11.2025 für die beiden Deutsch-Leistungskurse zusammen mit Frau Sattler und Frau Badicke nach Stuttgart, denn dort wurde zu der Zeit das auf „Heimsuchung“ basierende Theaterstück im Theater der Altstadt aufgeführt.
Wir trafen uns Mittwochmorgen am Hauptbahnhof in Ulm und fuhren gemeinsam von dort aus nach Stuttgart. Am Theater angekommen, besorgten sich einige noch ein kleines Frühstück und dann startete auch schon die Vorstellung.
Insgesamt bestand das Ensemble aus vier Schauspielern, die zwischen verschiedenen Rollen wechselten. Es drehte sich alles um ein Haus, in welchem die Geschichten von den verschiedenen Bewohnern im Verlauf eines Jahrhunderts dargestellt werden. Die historischen Ereignisse der jeweiligen Zeit spielen dabei eine große Rolle. So handelt eine Geschichte von einem jüdischen Tuchfabrikanten, welcher während der NS-Zeit nach Südafrika fliehen muss, eine andere von einer Schriftstellerin, die in der Nachkriegszeit wieder in das besagte Haus zurückkehrt, und noch eine weitere von einem jüdischen Mädchen, welches ins Warschauer Ghetto deportiert und dort ermordet wird.
Viele von uns hat das Theaterstück positiv überrascht, da wir uns nicht wirklich vorstellen konnten, wie solch eine Handlung verständlich und interessant inszeniert werden könnte. Doch durch verschiedene künstlerische Effekte war es gelungen, "Heimsuchung" gekonnt darzustellen. Natürlich gab es auch immer wieder Momente, in welchen Metaphern oder andere symbolische Mittel genutzt wurden, um die Geschichte zu erzählen. Man konnte das Theater also besser verstehen, wenn man den Roman schon zuvor gelesen hatte.
Gut gefallen hat uns ebenfalls die Leistung der Schauspieler, die mit beeindruckender Vielfalt teils sehr unterschiedliche Figuren sehr überzeugend verkörperten. Unterstützt wurde die Darstellung der Charaktere durch großartige Kostüme und kurze musikalische Einlagen lockerten die doch sehr tragische Handlung erfolgreich auf.
Teilweise wunderten wir uns allerdings auch über die Szenenauswahl, denn es wurden relativ unwichtige Figuren sehr ausführlich behandelt, während beispielsweise die „Unberechtigte Eigenbesitzerin“, die als letzte Bewohnerin des Hauses im Roman sehr wichtig ist, im Stück zu kurz kommt.
Nach der Vorstellung hatten wir noch Zeit, den Schauspielern Fragen zu stellen, sei es zum Entwicklungsprozess eines solchen Stückes, der Zusammenarbeit mit Jenny Erpenbeck oder Verständnislücken zum Inhalt. Es war sehr hilfreich von den Schauspielern zu hören, was sie sich bei einzelnen Szenen und ihrer Umsetzung gedacht haben.
Alles in allem war es ein interessanter Theaterbesuch, der uns die Lektüre „Heimsuchung“ nochmal anders nahegebracht hat und eine willkommene Abwechslung im Schulalltag darstellte.
Sophia Schreck, Lola Gahm, J2